VMware Backup-Lösung für HP MicroServer N36L, N40L und N54L

HPs kleine MicroServer N36L, N40L und N54L erfreuen sich aufgrund des niedrigen Preises und der niedrigen Stromzufuhr häufig als kleine VMware-Server im Keller bastelfreudiger Nerds und Geeks.

Besonders in Kombination mit fehlertolerantem ECC-Speicher und einem HP SmartArray P410 SAS-Controller hat man dann einen soliden vollwertigen Enterprise-ready ESXi-Host.

Aber – wie sichert man die VMs am besten? Das ist eine Frage, mit der ich mich in den letzten Wochen intensiv beschäftigt habe. Dieser Artikel soll einen kleinen Überblick über die Möglichkeiten geben.

Option 1: SCP/Rsync

Die wohl einfachste Lösung ist es, den SSH-Zugriff auf dem ESXi-Host zu aktivieren und mithilfe von SSH/SCP und Rsync die VM-Daten (VMDKs und Konfiguration) zu kopieren.

Vorab muss einem klar sein, dass die Aktivierung von SSH prinzipiell ein Eingriff in den Support-Bereich von VMware darstellt. Dieses Feature ist „unsupported“ und das wird dem Anwender auch bei jedem Login über den vSphere Client und Web Client (falls ein vCenter Server verwendet wird) als „Konfigurationsproblem“ angezeigt:

SSH-Konfigurationsproblem

SSH-Konfigurationsproblem

Wer darauf verzichten kann, kann beispielsweise mit einem einfachen Cronjob auf einer anderen Maschine seine VMs sichern:

#!/bin/sh
rsync --delete -avzbe ssh root@esxi:/vmfs/volumes/datastore /pfad

Ob die VM-Sicherungen konsistent ist, kann ich nicht beurteilen, da ich diese Methode von vornherein ausgeschlossen habe. Backups müssen für mich jederzeit konsistent sein und dabei möchte ich nicht auf nicht unterstützte Techniken zurückgreifen müssen. Andere Backup-Lösungen (siehe wie folgt) verwenden für die Erstellung von Backups den bewährten Snapshot-Mechanismus und kopieren dann inkrementell das Delta.

Option 2: Veeam Backup™ Free Edition

Veeam Backup™ genießt einen gewissen „Platzhirsch„-Status im VMware-Markt. Es ist eins der fortschrittlichsten Produkte, wenn es darum geht, konsistente Backups auf einfache Art und Weise zu erstellen.

Veeam Backup™ Free Edition ist kostenfrei und hat keine für den Heimgebrauch nennenswerten Einschränkungen:

  • keine inkrementellen Backups, es werden immer Full-Backups angelegt
  • keine automatische Backup-Überprüfung (SureBackup®)
  • keine Wiederherstellung einzelner Dateien aus einem Backup
  • keine automatische Archivierung von Backups
  • kein Plugin für vSphere Web Client
  • keine PowerShell– und RESTful-Automatisierung
  • keine Web-Oberfläche (es wird also RDP für die Administrationskonsole benötigt)
  • kein Kopieren gesicherter VMs möglich
  • keine Überwachung, kein Reporting, keine Kapazitätsplanung

Zum Funktionsumfang der kostenfreien Version zählt unter anderem:

  • keine zeitliche Beschränkung
  • kein ESXi-Host Limit
  • Sicherung und Wiederherstellung von VMs
  • Deduplizierung und Komprimierung

Für Besitzer des HP Microservers hat das Produkt jedoch einen entscheidenden Nachteil: es benötigt eine Microsoft Windows-Installation.

Der eher flachbrüstige Kleinstrechner ist nicht der schnellste und insbesondere VMs mit dem Betriebssystem aus Redmond laufen nicht sonderlich performant auf dem System. Prinzipiell wird hier kein vollwertiger Windows Server benötigt, die folgenden Versionen und Editionen sind für die Verwendung von Veeam Backup™ freigegeben:

  • Microsoft Windows 7 SP1
  • Microsoft Windows 8 und 8.1
  • Microsoft Windows Server 2008 SP2
  • Microsoft Windows Server 2008 R2 SP1
  • Microsoft Windows Server 2012
  • Microsoft Windows Server 2012 R2

Wenn das Produkt verwendet werden soll, muss eine entsprechende Windows-Lizenz erworben werden, was – für den privaten Gebrauch – nicht uninteressant ist.

Veeam Backup™ benötigt übrigens auch eine der folgenden SQL-Datenbanken:

  • Microsoft SQL Server 2005 (Express oder Vollversion)
  • Microsoft SQL Server 2008 (Express oder Vollversion)
  • Microsoft SQL Server 2008 R2 (Express oder Vollversion)
  • Microsoft SQL Server 2012 (Express oder Vollversion)

Im Bezug auf die ohnehin schwache Performance von Windows-VMs auf dem Kleinstrechner ist das natürlich nicht gerade förderlich.

Ich habe Veeam Backup™ in einer Windows 7-VM in Kombination mit einer Microsoft SQL Server 2008 R2 Express-Datenbank, welches kostenlos ist und direkt über das Veeam-Installationsprogramm mitinstalliert werden kann, ausprobiert.

Veeam-Oberfläche

Veeam-Oberfläche

Zur Funktionalität kann ich nichts negatives sagen – das Produkt ist kinderleicht zu bedienen und verrichtet seinen Dienst reibungslos. Die Performance ist auf dem HP Microserver jedoch nicht die beste, was dem „aufgeblähten“ Design, bestehend aus einer Windows VM und einer vollwertigen Datenbank geschuldet ist. In Rechenzentren stellen diese Anforderungen meist kein Problem dar – auf dem flachbrüstigen MicroServer kann das aber ein Problem darstellen. Insbesondere wenn man mehrere weitere VMs betreibt, leidet hier unter Umständen die Performance spürbar. Mir persönlich fehlen automatisierte Backups (z.B. wöchentliche Backup-Jobs).

Wer auf seinem MicroServer nur wenige VMs betreibt und gewillt ist, eine Windows-Lizenz zu erwerben, dürfte mit dem Produkt gut zurechtkommen.

Übrigens: Veeam Backup™ benötigt die VADP (vSphere APIs for Data Protection), um Snapshots und letztendlich auch Backups anzulegen. Die Verwendung dieser API erfordert eine VMware vSphere-Lizenz, die im Reseller-Markt online (vSphere Standard, 1 CPU, Basic-Support) für rund 500 Euro erhältlich ist. Ohne diese Lizenz bricht das Erstellen von Backups mit einer entsprechenden Fehlermeldung ab.

Option 3: Quantum vmPRO Standard Edition

Quantum liefert mit vmPRO Standard Edition ein interessantes Konkurrenz-Produkt zu Veeam Backup™.

Auch dieses Produkt ist in einer kostenfreien Version erhältlich, die folgende Einschränkungen aufweist:

  • maximal 1 TB Speicherkapazität für Backups
  • zusätzlicher NFS-Server benötigt (zusätzliche VM oder NAS)

Zum Funktionsumfang der kostenfreien Version zählen unter anderem:

  • VM-Appliance auf Linux-Basis, es wird kein Windows benötigt
  • Benutzerfreundliche Web-Oberfläche
  • Kompression zur Einsparung von Speicherkapazität
  • Deduplizierung über zusätzliche DXi V1000 Linux-Appliance
  • Backup-Automatisierung (z.B. wöchentliche Sicherungen)
vmPRO-Oberfläche

vmPRO-Oberfläche

Besitzer des HP MicroServers freuen sich darüber, dass die Appliance auf Linux-Basis (CentOS 5) erstellt wurde. Das kommt der Performance des smarten ESXi-Hosts zugute.

Die Web-Oberfläche ist sehr benutzerfreundlich – die Konfiguration der Appliance ist dank verschiedener Assistenten binnen kürzester Zeit erledigt. Mithilfe weniger Klicks können leicht Backups gestartet werden.

Die DXi V1000 Appliance zur Deduplizierung des Backup-Datenvolumens konnte ich nicht vernünftig testen. Die Appliance erzeugte auf dem flachbrüstigen Server eine so hohe Systemlast, die meine anderen VMs in Mitleidenschaft zog.

Wie auch Veeam Backup™ benötigt vmPRO ebenfalls die VADP (vSphere APIs for Data Protection), um Snapshots und letztendlich auch Backups anzulegen. Die Verwendung dieser API ist in der kostenfreien Version des vSphere Hypervisors nicht vorgesehen, weswegen eine gültige Lizenz erworben werden muss.

Weitere Alternativ-Produkte

Es gibt noch eine Reihe weiterer Backup-Produkte für VMware vSphere – um mal einige zu nennen:

  • WD Free Arkeia Virtual Appliance (AVA) for VMware
    Kostenfreie Version der WD Arkeia Virtual Appliance (AVA), benötigt VADP (vSphere APIs for Data Protection), um Backups zu erstellen. In der kostenfreien Version sind die Backups auf 250 GB beschränkt, die Appliance verfügt über eine Web-Oberfläche.
  • Unitrends Enterprise Backup™ for VMware
    Virtuelle Appliance auf Linux-Basis, sichert in der kostenfreien Version bis zu 8 VMs. Ich konnte die Appliance nicht testen, da für die Verwendung eine Seriennummer benötigt wird – diese Nummer konnte mir der Support nach erfolgter Registrierung leider nicht zukommen lassen.
  • ghettoVCB
    Ein Set von Bash-Skripte, welche mithilfe des SSH-Zugriffs auf dem ESXi-Host Snapshots zu sichernder VMs erstellen und auf lokalen Festplatten, SAN oder NFS clonen. Erfordert einen Linux-Host zur Steuerung des Backups.

Fazit

Mein persönlicher Favorit ist Quantum vmPRO Standard Edition, weil es auf dem smarten MicroServer deutlich performanter agiert, als das Konkurrenz-Produkt von Veeam. Funktionell betrachtet kommt noch hinzu, dass Quantums Lösung auch automatisierte Backups ermöglicht – die Backups werden bei meinem Setup also nachts erstellt und ich muss nur im Fehlerfall einen Blick in die Weboberfläche werfen. Bei Veeams Lösung muss hier eine RDP-Verbindung zum entsprechenden Windows-System hergestellt werden, bevor die Management-Konsole gestartet wird – auf dem MicroServer beansprucht dieser Vorgang kostbare Zeit.

Die Limitierung auf 1 TB Backup-Volumen reicht für private Zwecke in der Regel aus.

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