Lenovo Thinkpad X230 2324-62G Review

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Mitte dieses Jahres entdeckte ich einen Display-Fehler an meinem X200. Ich schickte das Gerät ein, was der Beginn einer langen Geschichte war. Diese Geschichte fand heute verspätet (aber immerhin überhaupt noch) ihr Happy End. Lenovo hatte mir kulanterweise als Ersatz für den Display-Schaden, den man wohl nicht reparieren konnte, ein neues X230 2324-62G mit folgenden Eckdaten angeboten:

  • Mattes 12.5″ LED-Display mit 1366×768 Pixel und 200 nits
  • Intel Core i5-3320M (Ivy Bit.. äh Bridge) Dual Core-Prozessor (4 Threads)
  • 4 GB DDR3 Arbeitsspeicher (16 GB möglich)
  • 320 GB SATA-Festplatte mit 7200 rpm
  • n-Draft WLAN und Bluetooth 4.0
  • SSD bzw. WWAN nachrüstbar
  • Fingerprint und USB 3.0
  • Nicht beleuchtete Tastatur, UltraNav und ThinkLight
  • 6 Zellen Akku
  • vorinstalliertes Windows 8 x64 (*schluck*)

Natürlich musste ich da nicht lange überlegen. 😉 Heute kam das Gerät an – meine ersten Eindrücke möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Erneuerungen gegenüber älteren Thinkpads

Lenovo ist auch mit der neuesten Thinkpad-Generation dem zeitlosen und klassischen Thinkpad-Design weitesgehend treu geblieben. Auf den ersten Blick scheint sich das X230 nicht von den Vorgängern X220 und X201 zu unterscheiden. Das Netzteil hat ein kleines Facelift erhalten, was aber wohl eher uninteressant sein dürfte. Die größte Erneuerung dürfte das neue Precision Keyboard sein, auf das ich gleich noch genauer eingehe. Wie viele andere Notebook-Hersteller hat auch Lenovo die klassische Windows-Taste durch eine neuere in Windows 8-Optik ersetzt. Auffällig ist, dass das X230 keine Display-Einrastung mehr hat. Mit dieser wurde der Deckel früher fest eingerastet, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Dreht man das Notebook auf den Kopf und hebt es seitlich an, senkt sich der Deckel leicht. Die Display-Scharniere des X230 sind zwar stärker als die der vorherigen Vertreter der X-Serie, dennoch hätte ich es besser gefunden, das Display “einrasten” zu können. Ich befürchte, dass die Scharniere irgendwann nicht mehr stark genug sind, um das Display zu halten. Ob sich meine Befürchtung bestätigt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Mein X230 wurde mit vorinstalliertem Windows 8 ausgeliefert – im Gegensatz zu früher findet man hierfür keinen Product Key-Aufkleber mehr. Der einzige Indikator für eine Windows 8-Installation ist ein entsprechender Logo-Aufkleber auf der Unterseite des Notebooks. Der Product Key wird, wie bei vielen neueren Notebooks, direkt im BIOS durch den Hersteller gesichert, um den Klau von Product Keys zu erschweren. Auslesen kann man einen solchen “integrierten” Product Key mithilfe eines Tools namens “Windows 8 Product Key Viewer“.

Verarbeitung

Wie bereits erwähnt, weiß ich noch nicht ganz, was ich von Lenovos neuer “einrastungsloser” Display-Architektur halten soll. In gewohnter Qualität ist das Gehäuse mit hochwertiger Gummierung – das kleine Notebook wirkt richtig edel und passt dabei in jede noch so kleine Tasche. Knarzende Stellen auf den Handauflagen, wie bei früheren Vertretern der T- und R-Serie konnte ich bisher nicht finden. Das Gerät ist angenehm leise – auch unter Volllast kann man mit dem Gerät in ruhigen Umgebungen arbeiten, ohne durch lautes Lüftersurren gestört zu werden. Die eingebaute 320 GB SATA-Festplatte ist trotz 7.200 Umdrehungen pro Minute angenehm leise. Die Vibrationen der Festplatten bringen das Gehäuse nicht zum Knattern oder Rattern, was bei der UltraBay meines T420s leider der Fall ist. Das liegt aber vermutlich daran, dass die Festplatte lediglich mit einem Plastikbügel und nicht mit Schrauben oder Gummihalterungen in diesem Adapter befestigt wird. Eine alte Kinderkrankheit von Thinkpads ist die Akkuhalterung, die auch hier nicht hundertprozentig passt. Trotz doppelter Einrastung wackelt der Akku leicht, was bei penibler Beachtung stören kann. Die recht kleinen Boxen liefern akzeptablen Stereo-Sound, der für das ein oder andere Video oder Musikstück ausreichend ist. Im Direktvergleich mit dem T420s fällt auf, dass Bässe recht flach und langweilig wirken. Da ich Musik prinzipiell mit dem Kopfhörer oder einer 2.1-Soundanlage höre, ist das ein Punkt, der mich nicht interessiert.

Das neue Precision Keyboard

Die auffälligste Änderung ist das neue Precision Keyboard, dem ich – wie die meisten Thinkpad-Veterane – sehr skeptisch gegenüber stand. IBM bzw. Lenovo überzeugten schon immer durch ihre konkurenzlos qualitativen Tastaturen, die wegen ihres guten Anschlags und der langen “Lebenserwartung” sehr geschätzt wurden. Böse Zungen behaupten, das schlichte Design der Tastaturen wäre nicht mehr zeitgemäß – ich persönlich habe genau das immer sehr daran geschätzt. Die neue Tastatur gibt es in zwei Ausführungen – mit und ohne “LED Unterboden-Beleuchtung“. Mein X230 verfügt über letztere Ausführung, ich persönlich empfinde von unten leuchtende Tastaturen als störend – abgesehen davon, dass es einen gewissen “19,99 EUR Saturn-Tastatur“-Charme hat. Glücklicherweise hat man auf das altbekannte ThinkLight nicht verzichtet. Über eine neue Tastenkombination (FN + Leertaste) kann man zwischen dem ThinkLight und der zweistufigen Unterboden-Beleuchtung wählen. Das Tippgefühl der neuen Tastatur habe ich als überaus positiv empfunden. Der Anschlag ist noch eine Nuance kräftiger, als bei mir bekannten Thinkpad-Tastaturen. Zugegebenermaßen ist das neue Tastatur-Design für Thinkpad-Veterane sehr gewöhnungsbedürftig, weil es moderner ist, als bei vorherigeren Modellen. Und genau darauf waren bisherige Thinkpad-Besitzer oftmals stolz – das zeitlose Design, das von vielen Unwissenden (*hust*) oft fälschlicherweise als altmodisch bezeichnet wurde. Gewöhnungsbedürftig ist auch die neue Anordnung einiger Tasten. Beim Surfen tappe ich immer wieder in eine Falle. Wo früher zwei Tasten zum Blättern im Web-Browser waren, sind jetzt Bild hoch und Bild runter anzutreffen. Die altbekannten blauen Farbelemente wurden entfernt, um der Tastatur einen einheitlichen Look zu verpassen. Einige oftverwendete Zweitbelegungen haben sich ebenfalls geändert, was dazu führt, dass man doch ab und an mal auf die Tastatur schauen muss – dazu zählen beispielsweise die Tasten für das ThinkLight oder zur Energie-, Helligkeits-, und Media Player-Steuerung. Mir ist aufgefallen, dass es unter der Tastatur einen recht großen offenstehenden Spalt gibt. Das ist nicht nur bei meinem Gerät so, wie ich in eingen Foren sehen konnte. Ob das eine Spalte ist, in der sich später schönster Staub sammelt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Einige Erneuerungen sind auch dem TrackPoint und Touchpad wiederfahren. Die blau-farbigen Noppen auf der mittleren Maustaste sitzen nun frontal auf der Taste, was für mehr Grip sorgt. Das Touchpad hat einen gummierten Noppenüberzug spendiert bekommen. Dieser wirkt wertig und sorgt für mehr Grip. Sehr schade finde ich, dass das Touchpad keine physischen Tasten mehr hat. Der untere Bereich des Touchpads ist eine Art Wippschalter, der bei kräftigerem Drücken je nachdem, wo sich der Finger befindet, einen Links- oder Rechtsklick auslöst. Mir passiert es oft, dass ich beim Verwenden des Touchpads zu kräftig aufdrücke und so versehentlich einen Klick auslöse. Bei meinem T420s, das noch über klassische Maustasten verfügt, kann mir das nicht passieren. Sehr interessant ist der folgende Artikel im deutschen ThinkWiki, der noch genauer auf die Änderungen (und deren Beweggründe) der neuen Tastatur eingeht: http://www.thinkwiki.de/Precision_Keyboard

Fazit

Auch in der 4.Generation der Lenovo X-Serie (bis zum X40 wurde noch durch IBM produziert) ist ersichtlich, warum sich diese Serie deutlich von den anderen abhebt. Auf kleinstem Raum wird Präzision und Power untergebracht, ohne auf Qualität zu verzichten. Ein wenig Sorgen bereitet mir das Fehlen der klassischen Display-Einrastung. Auch hochwertige Scharniere leiern irgendwann aus und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Tastatur und Display aufgrund nicht eines nicht richtig schließendes Notebooks in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier hätte ich eine klassische Display-Einrastung mit Öffnungshebel begrüßt. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht ist das neue Precision Keyboard: sie bereitet ein angenehmes Tippgefühl – es gibt für mich keinen Grund, dem alten Keyboard lange hinterher zu trauern. Es ist jedoch schade, dass sich Lenovo von den dedizierten Touchpad-Tasten distanziert hat. Kurzum: das X230 überzeugt und gefällt – auch, wenn einige Dinge gewöhnungsbedürftig oder nicht nachvollziehbar sind. Oft sich hieraus langfristige Qualitätsmängel ergeben, wird die Zeit zeigen.

Foto-Galerie

Anbei einige Bilder, die das X230 zeigen:

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