HP OpenVMS Technical Update Days 2012

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Diese Woche fanden die alljährlichen „OpenVMS Technical Update Days 2012“ bei HP statt. Wie jedes Jahr zuvor stand dieses Event ganz im Fokus des technischen Fortschritts von OpenVMS.

Ich selbst bin noch recht neu in der OpenVMS-Welt und habe das exotische Betriebssystem erst vor kurzem für mich entdeckt – für mich waren es also die ersten TUD’s.

Die Agenda war recht umfassend und füllte daher zwei ganze Tage:

Tag 1 Tag 2
OpenVMS – keep on working together Open Source & Unix Portability
Your future with OpenVMS Your future with Integrity Servers
OpenVMS Update News Itanium News
Connect OpenVMS on large Blades – practical experiences
OpenVMS vs Linux/Windows – security costs The Charon Emulator in real life
OpenVMS Services from HP Oracle Database on OpenVMS and Oracle Rdb Product Updates
The Secrets of EFI Storage Update
News from the OpenVMS hobbyists OpenVMS Success Story
Open Discussion Panel OpenVMS in a new environment

Quelle: deutsches OpenVMS-Portal und HP-Webseite

Inhaltliches

Die inhaltliche Gliederung war sehr vielseitig und sowohl vertriebsanalytischer als auch technischer Natur.

Im Vortrag „OpenVMS vs Linux/Windows – security costs“ wurde ein oft diskutiertes Grundsatz-Thema aufgegriffen – es ging hier um die Kosten von OpenVMS im Vergleich zu Windows und Linux. Es fand eine Gegenüberstellung der Administrationskosten aus personeller und sicherheitskritischer Sicht von OpenVMS und Windows/Linux statt. Die Quintessenz des Vortrags besagte, dass OpenVMS-Administratoren ihre Systeme konzeptbedingt seltener patchen müssen und daher mehr Systeme gleichzeitig verwalten können. Diese Werte sind natürlich relativ allgemein und können nicht auf jedes beliebiges Unternehmen übertragen werten. Eine genaue Aussagendefinition, welches Betriebssystem „günstiger“ ist, bedarf der Beachtung weiterer unternehmensspezifischer Faktoren. Der dennoch interessante Beitrag war der Anlass einer offenen Diskussionsrunde, die fast die anvisierte Vortragszeit sprengte.

Immer noch unklar ist für mich, wie HP die Zukunft der Betriebssysteme HP-UX und OpenVMS durch „Project Odyssey“ gestalten will. Project Odyssey steht, nach HP-eigener Aussage, im Motto „Expanding, not replacing“ – dem Kunden soll so mehr Auswahlmöglichkeit zwischen Alpha, Itanium oder Xeon geboten werden. Da eine Portierung an verschiedenen Stellen bereits dementiert wurde, stellt sich mir hier die technische Frage, wie eine solche Umsetzung aussieht. Ebenfalls erwähnt wurde „Project Moonshot„, mit welchem HP in das ARM-Serversegment einsteigen möchte. Die Überlegung ist hier (Blade-)Server mit vielen stromsparenden ARM-Prozessoren herzustellen und so eine „grüne“ Alternative anzubieten.

Sehr interessant war der Beitrag „Itanium News“ von Intel, bei welchem die neue Itanium-Familie „Poulson“ (Itanium 95xx) vorgestellt wurde. Nach 5 jähriger Entwicklungszeit wurde der Itanium-Prozessor von einem 65nm-Design auf 32nm-Fertigungstechnologie portiert, was zu einem Stromersparnis führte. Darüber hinaus verfügen die neuen Prozessoren erstmals über einen gemeinsamen Cache von 54 MB (früher bestanden dedizierte Caches pro Kern). Jeder Kern verfügt darüber hinaus noch über eigene L1- und L2-Caches. Hyper-Threading steht nun im Rahmen der Multi-Domain-Technologie jedem Kern zur Verfügung, sodass jeder Kern zwei Berechnungen quasi-parallel abarbeitet. Neu ist auch eine Technologie namens „Instrunction Replay„, die mehr Integrität und Fehlererkennung ermöglicht – fehlerhafte Instruktionen können so intelligent erkannt und nochmals ausgeführt werden. Die neue Prozessorfamilie besteht aus 4 Prozessoren:

CPU Kerne/Threads Takt TDP
Itanium 9520 4/8 1,73 Ghz 130 Watt
Itanium 9540 8/16 2,13 Ghz 170 Watt
Itanium 9550 4/8 2,4 Ghz 170 Watt
Itanium 9560 8/16 2,53 Ghz 170 Watt

Die nächste Prozessorfamilie „Kitson“ ist bereits in Arbeit und soll nahezu zeitlich mit der Haswell-Architektur 2014/2015 erscheinen. Highlights dieser Familie sollen beispielsweise die 22nm-Fertigungsgröße und ein modulareres Design sein. Es ist geplant, die Itanium- und Xeon-Befehlssätze nahezu identisch und modular zu halten, was unter anderem niedrigere Produktionsaufwände verspricht. Die Kitson-Itaniums sollen darüber hinaus über mehr Kerne verfügen.

Oracle war auch auf den TUD’s vertreten und informierte über neue Produktupdates für OpenVMS und HP-UX. Im September konnte sich HP vor Gericht gegen Oracle durchsetzen und so den Support für Oracle Database und Oracle Rdb auf der Itanium-Plattform aufrechterhalten. Oracle 10g und Oracle Rdb werden weiterhin für OpenVMS gepflegt.

Im Beitrag „News From the Hobbyists“ wurde eine noch experimentelle Version eines SIMH-Emulators vorgestellt, der erstmals eine multiprozessorfähige VAX emuliert. Mit einigen Tricks lässt sich OpenVMS so mit mehreren Prozessoren betreiben. Ein ähnlicher SIMH-Emulator war auch Bestandteil des letzten Talks „OpenVMS in a new environment„, bei welchem ein OpenVMS 7.3-Server auf einem herkömmlichen Notebook und einem Raspberry Pi betrieben wurde. Der stromsparende Kleinstrechner sorgte für reges Interesse – viele Teilnehmer kannten das Gerät und die Möglichkeit, OpenVMS auf einem 35 USD-Board zu betreiben, noch nicht. Performance-technisch steht der Raspberry Pi einer VAX nicht nach, wie erfasste Benchmark-Werte belegten.

Einige neue Erkenntnisse brachte mir der Vortrag „The Secrets of EFI„, der ganz im Fokus der HP-eigenen EFI-Erweiterung stand. So habe ich beispielsweise vom Schalter -NC (no-confirmation) erfahren, der z.b. in Kombination des Kommandos PC verwendet werden kann, um ein System ohne Bestätigung an- oder auszuschalten:

[hostname] MP> cm
[hostname] MP:CM> pc -off -nc

In der internen Hilfe der EFI-Shell wird diese Möglichkeit nicht erwähnt.

Migrationserfahrungen aus der Praxis wurden im Vortag „The Charon Emulator in Real Life“ präsentiert. Es war äußerst interessant zu erfahren, welche unterschiedlichen Erfahrungen bei der Migration von Alpha- und VAX-Systemen gemacht wurden und in welchem Verhältnis alte und neue Systemkonzepte standen. So gab es beispielsweise Kunden, die über 5 Alpha-Systeme verfügten, die später auf einem kostengünstigen x86-Server konsolidiert wurden und darüber hinaus von einen spürbaren Performancezuwachs berichteten – ein weiteres Beispiel dafür, wie stark sich die x86-Prozessortechnologie in den letzten Jahren entwickelt hat.

35-jähriges Jubiläum

OpenVMS-Torte

OpenVMS-Torte

OpenVMS feierte am 25.Oktober sein 35-jähriges Jubiläum – natürlich war diese Feierlichkeit auch Bestandteil der diesjährigen TUD’s. So wurden Kundenerfahrungen rezensiert und bei einem Stück OpenVMS-Torte Praxis-Geschichten erzählt. Für ausgefüllte Bewertungsbögen gab es als Dankeschön einen OpenVMS-Kugelschreiber. Ich muss sagen, der edle Kugelschreiber macht sich sehr gut auf meinem Tisch. 🙂

Die OpenVMS-Szene

OpenVMS-Kugelschreiber

OpenVMS-Kugelschreiber

Mir ist schon beim Betreten der Räumlichkeiten aufgefallen, dass ich mit meinen 22 Jahren wohl der jüngste Teilnehmer war – einschlägige Kommentare haben mir das bestätigt („Hey, du machst unseren Altersdurchschnitt kaputt!„). 🙂

Auch wenn einige Jahre zwischen mir und den meisten anderen Teilnehmern lagen, hat das der Kommunikation nicht geschadet. Es ist überaus bemerkenswert, wie freundlich und offen die eher geschlossene Gesellschaft gegenüber Neulingen ist – neue Gesichter sind immer willkommen und werden auch gleich in offene Diskussionen integriert. Für mich war es sehr interessant zu hören, wie lange die einzelnen Teilnehmer schon mit OpenVMS arbeiten und welche unterschiedlichen Erfahrungen sie mit dem Betriebssystem gemacht haben.

Dass der deutschsprachige Anwenderkreis recht klein ist, zeigt sich auch dadurch, dass sich scheinbar alle untereinander kennen. Durch Twitter habe ich zwei OpenVMS-Enthusiasten kennengerlent und kam auf den TUD’s auch mit ihnen ins Gespräch – es dauerte keine 5 Minuten und schon standen zahlreiche weitere Menschen mit am Tisch, die alle persönlich begrüßt wurden. Auch HP-Mitarbeiter aus aller Welt und OpenVMS-Ingenieure fanden den Weg nach Bad-Homburg.

Fazit

HP ist bemüht, die OpenVMS-Anwendergemeinde aufrechtzuerhalten und bietet mit den jährlichen TUD’s ein hervorragendes Event, bei dem ein reger Erfahrungsaustausch stattfindet und auch zahlreiche neue Kontakte geknüpft werden können. Für Kunden und Interessenten ist das übrigens gänzlich kostenlos – für das leibliche Wohl wird HP-typisch umfassend gesorgt.

Ich habe die freundlich-offene Atmosphäre und die umfassenden Vorträge sehr genossen und werde auch das nächste Mal wieder dabei sein. Jedem, der sich für OpenVMS interessiert, kann ich nur empfehlen, das jährliche Event zu besuchen. 🙂

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